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Auf Station A ist alles anders als auf anderen Krankenhausstationen. Gedimmtes Licht, viele geöffnete Zimmertüren, manchmal ertönt Musik. Dr. Volker Sepeur nimmt einen jungen Mann in den Arm, tröstet, spricht ihn mit Vornamen an. „Die meisten unserer Patienten bleiben ein Leben lang Kind“, sagt der Oberarzt, der ärztliche Leiter des Epilepsiezentrums im Christlichen Klinikum Unna (CKU). Seit nun 20 Jahren ist diese Spezialabteilung innerhalb der Klinik für Neurologie fester Bestandteil des Versorgungsangebots im Krankenhaus an der Holbeinstraße.
Patienten mit Epilepsie und (Mehrfach-)Behinderung
Behandelt werden hier schwerpunktmäßig Menschen mit einer Epilepsie und einer (Mehrfach-) Behinderung. Epilepsie ist eine Sammelbezeichnung für eine Vielzahl von Funktionsstörungen des Gehirns. „Das bedeutet für uns als Ärzte und Pflegende: Wir haben mit Eltern und weiteren Angehörigen intensiv zu tun, nicht allein mit dem Patienten“, erklärt Volker Sepeur. „Das ist eine enorme Verantwortung für uns, denn der Patient kann uns häufig nicht sagen, was fehlt oder was guttut, sondern muss sich ganz auf uns verlassen.“
Es sind genau diese Besonderheiten der Station A, die Volker Sepeur in seinem Beruf so wichtig sind. Vor 13 Jahren kam er in das damalige Evangelische Krankenhaus Unna, absolvierte hier seinen Facharzt für Neurologie, später folgte die Zusatz-Qualifikation als zertifizierter Epileptologe der Deutschen Gesellschaft für Epileptologie. Mit Chefarzt Prof. Dr. Zaza Katsarava baute Volker Sepeur die Epilepsie-Abteilung aus. Heute ist sie ein zertifiziertes Epilepsie-Zentrum, eines von nur fünf in ganz NRW. 14 Betten stehen hier zur Verfügung.
Beratungsstelle und Ambulanz ergänzt die stationäre Versorgung
Pro Jahr werden hier über 650 ambulante und über 300 stationäre Patienten versorgt. Seit vielen Jahren betreibt das Zentrum eine Epilepsie-Beratungsstelle und Ambulanz, die von Patientinnen und Patienten aus der gesamten Region genutzt wird. Betroffene Familien reisen oftmals 100 Kilometer und mehr an, um einen möglichen Anfangsverdacht auf Epilepsie sicher diagnostizieren zu lassen. Regelmäßige Qualifizierungen und Weiterentwicklungen des Teams, die Teilnahme an internationalen Medikamentenstudien und jährliche Fortbildungen mit überregionaler Resonanz zeichnen die Arbeit der Abteilung aus.
Was ebenfalls besonders ist: Seit langen Jahren arbeitet hier dasselbe Team zusammen. Denn auch in der Pflege sind die Mitarbeitenden „anders“ als auf einer üblichen Krankenhausstation. Die 12 Pflegekräfte der Abteilung haben epileptologische Zusatzbezeichnungen erworben, sind Epilepsie-Fachberater oder haben eine Ausbildung als Heil-Erziehungspfleger, die sich speziell auf die Versorgung von Menschen mit Behinderung richtet. Hinzu kommt das insgesamt dreiköpfige Ärzteteam sowie Mitarbeiter aus verschiedenen Berufsgruppen (interdisziplinär verfügbare Fachärzte, Ergotherapie, Physiotherapie, Neuropsychologie, Sozialarbeit und neurologischer Funktionsdienst).
Zum runden Geburtstag der Abteilung hat Dr. Volker Sepeur den nächsten Meilenstein im Blick: Das zertifizierte Epilepsiezentrum möchte er zu einem fachübergreifenden medizinischen Zentrum für Menschen mit geistigen Behinderungen ausbauen. Die notwendigen Verfahren für eine Genehmigung sind bereits angestoßen.